Ein Mann und eine Frau sitzen im Herbst unter einem Baum.

Walk Among the Trees, Sault Ste. Marie | James Smedley

Indigene Geschichten

Ein Mann und eine Frau sitzen im Herbst unter einem Baum.

Walk Among the Trees, Sault Ste. Marie | James Smedley

Der Glaube der First Nation, ihre Geschichten und ihr historischer Bericht über die Entstehung des Landes, das wir heute Ontario nennen, werden seit Generationen mündlich überliefert. Diese Lehren unterscheiden sich von Region zu Region und von Nation zu Nation, und wie in der Vergangenheit werden sie auch heute noch mit Stolz und Leidenschaft geteilt.

In diesen Geschichten bezieht sich „Turtle Island“ auf das Land, das wir heute Nordamerika nennen. Diese Schöpfungsgeschichte erzählt von der Schildkröte, die die Welt auf ihrem Rücken trägt. Bis heute ist die Schildkröte ein wichtiger Teil der Identität, Kultur und Autonomie der First Nation und ihres tiefen Respekts für die natürliche Umwelt.

Turtle Island und die Schöpfung

Der Name „Turtle Island“ leitet sich von der Entstehungsgeschichte dieser Länder ab. Die Geschichte beginnt in einer Zeit, in der das Land vollständig von Wasser bedeckt war und es eine Insel im Himmel gab, die von den Himmelsbewohnern bewohnt wurde.

Eines Tages fiel eine schwangere Himmelsfrau durch das Loch eines entwurzelten Baumes, den manche als Baum des Lebens kennen. Während sie taumelte, griff sie nach den Zweigen, Samen und der Medizin aus der Himmelswelt, um sie mit nach Hause zu nehmen.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie vom Himmel fiel, aber als sie aus der Dunkelheit auftauchte, sah sie die weiten Ozeane. Enten flogen unter ihr her, um ihren Fall zu verlangsamen, und als sie sich der Erde näherte, stieg eine Schildkröte aus dem Wasser und ließ sie sanft auf ihrem Rücken ruhen. Es war kein Land in Sicht, aber während sie sich auf dem Rücken der Schildkröte ausruhte, sammelte die Bisamratte Schlamm vom Grund des Gewässers und bildete damit den Boden. Dieser Schlamm vermehrte sich, bis er eine riesige Landfläche bildete, die „Turtle Island“ genannt wurde. 

Bald darauf gebar die Himmelsfrau zwei Söhne, einen guten und einen bösen, die alle natürlichen Eigenschaften der Erde und des Himmels erschufen. Der gute Zwilling formte den Himmel und schuf die Sonne, den Mond, die Sterne, die Berge und viele Pflanzen und Tiere. Der böse Sohn machte sich daran, alles zu zerstören, was sein Bruder erschaffen hatte. Er schuf Dunkelheit, Ungeheuer, Stürme und gefährliche Tiere. Die beiden Brüder kämpften. Der gute Zwilling siegte und verbannte das Böse von der Erde.

Nach dem Tod der Himmelsfrau pflanzte der gute Sohn einen Samen in ihren Körper. Aus diesem Samen wuchs Mais, der jahrhundertelang ein wichtiges Nahrungsmittel für die indigenen Völker war.

Die Geschichte von Turtle Island wurde von Generation zu Generation weitergegeben, und noch heute finden sich ähnliche Versionen und Geschichten in Lehrplänen und Texten. Doch die Geschichten enden nicht mit der Entstehung von Turtle Island.

Kampf zwischen Gut und Böse an den Niagarafällen

Die Niagarafälle sind als eines der sieben Weltwunder von großer Bedeutung. Frühe Völker bewohnten dieses Gebiet seit undenklichen Zeiten und waren lange Zeit die Verwalter dieser Region, die lange Zeit nicht nur als Treffpunkt, sondern auch als Ort der Macht von Bedeutung war.

Andere Geschichten über den Kampf zwischen Gut und Böse erzählen von riesigen schlangenähnlichen Kreaturen, die unter Wasser lebten, und von freundlichen Donnerwesen, die hinter den Wasserfällen wohnten. Diese freundlichen Wesen verließen ihren sicheren Platz hinter den Wasserfällen nur, wenn die Schlangen sie angreifen wollten.

Als eine der größten Schlangen angreifen wollte, wurde sie von einem gewaltigen Blitz getroffen. Die Strömung des Sees trug ihren Körper zu den Wasserfällen, aber ihre Hörner und ihr Schwanz blieben an den Felsen hängen. Die Schlange verband sich mit dem Fels und bildete einen Bogen, der zu den sichelförmigen Wasserfällen führte.

Als die Wasserfälle zu einer Touristenattraktion wurden, verließen die Donnerwesen ihren Lebensraum hinter den Wasserfällen und zogen in die westlichen Berge. Bei starken Regenfällen kehren sie jedoch zurück, um die Schlangen fernzuhalten.

An den Niagarafällen kam es sowohl zu Konflikten als auch zu Frieden, was dazu führte, dass die Anishinaabe ein Bündnis mit dem Namen „Three Fires Confederacy“ (Konföderation der Drei Feuer) schlossen. Die Nationen der Ojibway (Chippewa), Odawa und Potawatomi bildeten die Konföderation der Drei Feuer aus Völkern, die ähnliche Sprachen und Territorien teilten und sich zu militärischen und politischen Zwecken zusammenschlossen. Jedes Volk hatte seine eigene Rolle in dieser Konföderation. Die Ojibway (Chippewa) waren die Versorger, die Odawa die Krieger und die Potawatomi die Hüter des Feuers.

Mehr über die Region der Niagarafälle

Bei einem Besuch der Niagarafälle kann man mehr über die Geschichte und Kultur der indigenen Völker der Niagara Region erfahren und wie man diese heute erleben kann.

Tragische Liebe in den Scenic Caves

Die Scenic Caves befinden sich in Grey County und sind Teil des Niagara Escarpments, einem weiteren Naturwunder in Ontario. Die Höhlen befinden sich am höchsten Punkt des Escarpments, westlich von Collingwood. Heute kann man mit Scenic Caves Nature Adventures die Höhlen und Kavernen erkunden, die sich mehr als 20 Meter unter der Erdoberfläche befinden.

Ursprünglich war diese Landschaft die Heimat der Petun First Nations und ist sowohl faszinierend als auch reich an indigener Geschichte.

Der Weg zu den Höhlen führt am Suicide Point vorbei, wo das Volk der Petun eine tragische Geschichte erzählt. Eine Petun-Frau verliebte sich in einen Mann, der nicht ihrem Stamm angehörte. Eifersüchtige Petun-Männer warfen ihren Geliebten in den Tod und sie sprang hinterher. Auf dem Weg zum Dorf der Seelen entfernte Oscotarach oder „der Wächter“ die Gehirne der Toten. Die Petun glaubten, dass die Menschen im Jenseits glücklicher wären, wenn sie sich nicht an ihr irdisches Dasein und ihre zurückgelassenen Lieben erinnern könnten.

Das Gebiet um den Fat Man's Misery Rock ist auch als Festung der Petun bekannt, da es vier Ausgänge hat, einen in jede Himmelsrichtung. Dadurch war es fast unmöglich, die Petun in einen Hinterhalt zu locken.

Mehr über Scenic Caves und Grey County

Die Höhlen sind nur eine der Naturattraktionen von Scenic Caves Nature Adventures. Überquere eine Hängebrücke mit atemberaubender Aussicht, mache eine Zipline-Tour und erkunde die Wander- und Schneeschuhpfade. Entdecke weitere einzigartige Erlebnisse im Grey County.

Die Liebenden von Flowerpot Island

Etwa zwei Autostunden nördlich der Scenic Caves vor der Küste der Bruce Peninsula liegt Flowerpot Island, eine der meistfotografierten Naturattraktionen der Region.

Etwas mehr als sechs Kilometer vor der Küste von Tobermory bietet diese Kalksteininsel zerklüftete Formationen, Höhlen, eine hartnäckige Pflanzenwelt und zwei Felssäulen, die von Wellen und Wind aus der Steilküste erodiert wurden. Sie haben Risse und sind wie zwei Blumentöpfe geformt und erinnern an die Geschichte von Romeo und Julia, die sich ineinander verliebt haben.

Die Geschichte handelt von einem jungen Krieger und einer Prinzessin aus verfeindeten Völkern, die sich ineinander verliebt haben. Um der Bestrafung durch ihr jeweiliges Volk zu entgehen, paddelten die beiden auf die Insel, die heute als Flowerpot Island bekannt ist.

Leider wurden sie von bösen Geistern in diese berühmten Steinsäulen verwandelt. Legenden wie diese gab es schon vor der Ankunft der Siedler.

Mehr über die Bruce Peninsula

Tobermory und die Bruce Peninsula sind reich an Naturschönheiten und faszinierender Kultur, einschließlich der indigenen Geschichte. Mache eine Bootsfahrt und erkunde den Fathom Five National Marine Park und Flowerpot Island. Und besuche den Cape Crocker Park, der von den Chippewa der Nawash Unceeded First Nation verwaltet wird, um die Kultur der Anishinaabe kennenzulernen.

Der Garten des großen Geistes in 1000 Islands

Zwischen 700 v. Chr. und 1600 n. Chr. war das Gebiet, das wir heute 1000 Islands nennen, von den Haudenosaunee und Algonquian bewohnt.

Die Irokesen nannten die Inseln den Garten des Großen Geistes. Die Schöpfungslegende der 1000 Islands beginnt mit dem Großen Manitou.

Als der Große Manitou auf seinem Donnervogel schwebte, blickte er hinab und sah, dass sein Volk ständig im Streit lag. Um Frieden zu schaffen, schuf der Große Manitou einen wunderschönen Garten, warnte die Menschen aber, dass er ihnen weggenommen würde, wenn sie wieder anfingen zu kämpfen.

Dies wurde die Heimat der Sechs Nationen, wo das gemeinsame Land heilig war und kein Kampf erlaubt war. Jahrelang lebten die Sechs Nationen in Frieden, ernteten viel Getreide und genossen die schönen Wasserwege.

Doch dann brach Krieg aus. Der Große Manitu sammelte alle Gärten ein und machte sich auf den Weg zurück in seine Heimat im Himmel. In seinem Zorn zerriss er die Decke, die die Gärten zusammenhielt, und ließ Tausende von Gartenstücken in den Fluss fallen. Jeder Garten schlug Wurzeln und bildete diese wunderschönen Inseln.

Mehr über die 1000 Islands

Die 1000 Islands liegen am Sankt-Lorenz-Strom und sind eines der schönsten Reiseziele in Ontario. Mit fünf sich überlappenden Ökoregionen, einer bunten Geschichte der First Nation, Schauplätzen des Krieges von 1812, Schiffswracks und Burgen ist dieses Gebiet ein Muss in Ontario.

Auf dem Wasser kann man die Schönheit der Region bei einer Kajakfahrt oder einer Kreuzfahrt hautnah erleben.

Ojibwe Spirit Horses

Die indigenen Völker Nordamerikas haben seit Tausenden von Jahren eine respektvolle Beziehung zu Pferden. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte der First Nations und der Ojibwe Spirit Horses.

Diese kleinen, pelzigen Pferde mit winzigen Füßen, haarigen Ohren und langen, üppigen Mähnen, die als Spirit Horses oder Lac La Croix Ponys bekannt sind, galten als mächtige Geister und Lehrer. Einst zogen sie in großen Herden durch das Gebiet der Großen Seen und spielten eine wichtige kulturelle und spirituelle Rolle in der Kultur der Ojibwe.

Die Siedler betrachteten die sanftmütigen Tiere als Plage, da sie auf ihren Feldern Unheil anrichteten, und so wurden die Spirit Horses gejagt und getötet. Die Rasse galt als die einzige echte einheimische Pferderasse Kanadas, war aber in den 1970er-Jahren vom Aussterben bedroht.

Ein Anishinaabe-Künstler und Pferdeliebhaber entwickelte einen nächtlichen Rettungsplan, als die letzten vier Stuten getötet werden sollten. Die vier verbliebenen Pferde wurden sicher über die Grenze nach Minnesota geschmuggelt. Nach einer gründlichen Suche wurden die Stuten zurückgebracht, und obwohl sie mit Mustangs gekreuzt worden waren, blieben die Eingeschaften der Spirit Horses erhalten.

Heute gibt es etwa 250 Spirit Horses, von denen acht auf der Mādahòkì Farm in der Region Ottawa zu Hause sind. Besuche diese wunderschönen Tiere, nimm an verschiedenen Veranstaltungen auf der Farm teil und feiere sie durch direkte Begegnung.

Mehr über Ojibwe Spirit Horses in Ontario

Neben der Mādahòkì Farm gibt es eine kleine Anzahl von Ställen und Farmen, die sich dem Schutz, der Ausbildung und der Wiederansiedlung der Ojibwe Spirit Horses in Ontario widmen.

Mündliche Traditionen der Manitoulin Island

Die indigene Völker haben ihre Geschichte und ihre Schöpfung durch das Erzählen von Geschichten weitergegeben. Wunderbare und kraftvolle Geschichten und Legenden wurden am Lagerfeuer erzählt und von Generation zu Generation weitergegeben.

Manche Geschichten waren lehrreich, andere vermittelten Weisheit und regten zum Nachdenken an, wieder andere waren Geschichten über die Schöpfung. Ein Besuch auf der wunderschönen Manitoulin Island bietet einen Einblick in die Kultur, Geschichte und mündlichen Überlieferungen der Anishinaabe.

Manitoulin Island ist die größte Insel einer Inselkette im Huronsee. Genau genommen ist es eine Insel mit einem Binnensee und einer Insel im See!

Neben ihrer einzigartigen Geografie ist die Insel auch reich an Geschichte. Bei der Ojibwe Cultural Foundation, einem Museum und Kulturzentrum der M'Chigeeng First Nation, können Besucher Kunstwerke, Körbe, Schnitzereien und Schriftrollen bewundern, die das Wissen der Anishinaabe widerspiegeln.

Geschichten erzählen von der tiefen spirituellen Bedeutung, die Pflanzen und Natur für die Ureinwohner haben.

Erfahre mehr über die große Bedeutung der vier heiligen Heilmittel: Süßgras, Tabak, Salbei und Zedernholz.

Andere Geschichten erzählen von den Sieben Lehren des Großvaters. Für die Ojibwe/Anhaninaabe bedeutet ein gutes Leben, den Prinzipien von Weisheit, Liebe, Respekt, Tapferkeit, Ehrlichkeit, Demut und Wahrheit zu folgen.

Mehr Infos zur Manitoulin Island

Beginne mit der Planung deines Besuchs auf Manitoulin Island. Wähle aus einer Vielzahl von Anishinaabe-Kulturtouren und Naturerlebnissen, die von Wikwemikong Tourism angeboten werden.

Storytelling in der indigenen Kunst

Viele Geschichten werden auch in der indigenen Kunst dargestellt.

Von Malerei, Steinbearbeitung und Holzarbeiten bis hin zu Weberei, Perlenstickerei und anderem Kunsthandwerk: Indigene Künstler/innen erzählen mit ihrer Kunst die Geschichten ihres Volkes, ihrer Geschichte und ihrer Spiritualität. Es gibt fantastische künstlerische Darstellungen, die Turtle Island und das Land zeigen, das auf ihrem Rücken sicher gepflegt wird.

Die Ahnisnabae Art Gallery in Thunder Bay beherbergt eine der größten Sammlungen indigener Kunst und Drucke im Nordwesten Ontarios.

In den von Indigenen geführten Galerien, Kulturzentren und Souvenirläden kann man sich auf Authentizität verlassen. Wenn du dir nicht sicher bist, frage nach, ob die Kunst oder das Kunsthandwerk, das du kaufen möchtest, von Indigenen hergestellt wurde.

Vielen Dank an Indigenous Tourism Ontario für ihre Beiträge zu dieser Erzählung.

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2024